
Marco Wittmann feiert beim Eifel-Krimi auf dem Nürburgring seinen historischen 20. DTM-Sieg, während ein spektakuläres Rennwochenende vor 81.000 begeisterten Zuschauern die Meisterschaft völlig auf den Kopf gestellt hat. Der Routinier von Schubert Motorsport setzte sich am Sonntag in einem von Chaos, Unfällen und taktischen Meisterleistungen geprägten zwölften Saisonlauf hauchdünn gegen den sensationell auftrumpfenden Youngster Tom Kalender durch. Während Wittmann eine zweijährige Durststrecke beendete, spitzt sich der Titelkampf vier Rennen vor Schluss dramatisch zu: Titelverteidiger Thomas Preining kletterte als Dritter auf das Podest und liegt in der Gesamtwertung nun nur noch einen einzigen Zähler hinter der Spitze.
Massencrash beim Start sorgt für frühes Chaos
Schon die Anfangssekunden des zwölften Meisterschaftslaufs auf der 3.629 Meter langen Sprintstrecke in der Eifel boten pure Dramatik. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen 27 Grad erwischte das Feld einen extrem unruhigen Start. Bereits in der ersten Kurve kam es im dichten Getümmel zu einer heftigen Kollision mehrerer Fahrzeuge, die das Rennen für prominente Meisterschaftskandidaten sofort beendete.
Besonders hart traf es den Tabellenführer Maro Engel. Der 40-jährige Mercedes-AMG-Pilot musste seinen beschädigten Boliden vorzeitig abstellen und blieb damit zum ersten Mal nach einer beeindruckenden Serie von 18 DTM-Rennen in Folge ohne Punkte. Auch für seinen Markenkollegen Lucas Auer sowie für Kelvin van der Linde war der Arbeitstag nach dem Startunfall schlagartig vorbei. Durch das Aus scheidender Favoriten wurde das Klassement ordentlich durchgewirbelt. Auer rutschte in der Gesamtwertung auf den vierten Rang ab. Um die Trümmerteile zu beseitigen und die Strecke zu sichern, schickte die Rennleitung sofort das Safety-Car auf den Kurs.
Taktik-Schlacht und Strafen wirbeln das Feld durcheinander
Nach dem Re-Start verteidigte Pole-Setter Jules Gounon im Mercedes-AMG zunächst die Führung gegen Ben Dörr und Matteo Cairoli. Dahinter lauerte bereits Marco Wittmann, der sich direkt um einen Platz auf den vierten Rang verbessert hatte. Schubert Motorsport setzte in der Folge auf eine aggressive Strategie: Ein extrem früher und perfekt exekutierter Pflichtboxenstopp spülte Wittmann direkt auf die zweite Position hinter Gounon vor.
Die Konkurrenz patzte unterdessen folgenschwer. Ben Dörr musste seinen Boliden abstellen, nachdem ein Hinterreifen beim Stopp falsch montiert worden war. Matteo Cairoli verlor durch einen schwachen Reifenwechsel ebenfalls jegliche Chancen auf eine vordere Platzierung. Die entscheidende Wendung an der Spitze ereignete sich schließlich in der Boxengasse. Spitzenreiter Jules Gounon war beim Verlassen der Box zu schnell unterwegs, woraufhin die Rennkommissare eine Penalty-Lap gegen den Franzosen verhängten. Gounon fiel weit zurück und machte den Weg frei für Wittmann, der im BMW M4 GT3 souverän die Führung übernahm. Hinter ihm reihte sich Thomas Preining im Manthey-Porsche ein, der den Turbulenzen beim Start nur mit viel Glück entgangen war.
Die sensationelle Aufholjagd des Tom Kalender
Nach der zweiten Phase der Reifenwechsel schien das Podium mit Wittmann und Preining an der Spitze bereits gefestigt. Doch das Mercedes-AMG Team Landgraf hatte ein strategisches Ass im Ärmel: Der erst 18-jährige Tom Kalender absolvierte einen extrem späten Boxenstopp. Da der Youngster nach einem bitteren Ausfall am Samstag noch einen komplett frischen Satz der Pirelli-Slicks zur Verfügung hatte, verfügte er in der Schlussphase über deutlich mehr Grip als die Konkurrenz.
Als Fünfter kehrte Kalender auf die Strecke zurück und startete eine fesselnde Aufholjagd. Mit präzisen und kompromisslosen Überholmanövern kämpfte er sich sukzessive nach vorne. Nur eine Runde vor dem Ende der 39 turbulenten Runden setzte der Mercedes-Pilot die entscheidende Attacke gegen den amtierenden Champion Thomas Preining und zog vorbei auf Platz zwei. Kalender schloss in den letzten Kurven sogar noch Stoßstange an Stoßstange auf den Führenden Wittmann auf. Am Ende rettete der erfahrene BMW-Pilot den Triumph jedoch mit einem hauchdünnen Vorsprung von gerade einmal 0,517 Sekunden über die Ziellinie.

Stimmen der Podiumsplatzzierten
Marco Wittmann (Sieger): „Der 20. Sieg bedeutet mir enorm viel! In all meinen Jahren in der DTM habe ich viele Höhen und Tiefen erlebt. Es fühlt sich großartig an, aus eigener Kraft ganz vorne mitzufahren. Das Rennen verlief zeitweise chaotisch, aber ich habe einen kühlen Kopf bewahrt, auch wenn es hinten raus richtig eng wurde.“
Tom Kalender (Platz 2): „Als ich nach der Siegerehrung zu meinem Team gelaufen bin, habe ich so viele glückliche Gesichter gesehen wie noch nie. In nur vier Jahren habe ich es vom Kartsport bis aufs Podium in der DTM geschafft. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Nach meinem Ausfall am Samstag hatte ich noch einen frischen Satz Reifen in der Hinterhand. Das hat mir im Duell mit Thomas Preining natürlich geholfen.“
Thomas Preining (Platz 3): „Ein super Heimrennen fürs Team! Beim Start hatte ich riesiges Glück, dass ich der Kollision der Fahrzeuge neben mir gerade noch ausweichen konnte. Ich hätte den zweiten Platz gern ins Ziel gebracht und habe alles gegeben, aber Tom Kalender war einfach nicht zu halten. In der Meisterschaft sind wir jetzt voll im Titelkampf angekommen und das haben wir uns hart erarbeitet.“
Das weitere Klassement und Ausblick auf das Finale
Hinter dem packenden Führungstrio komplettierten Arjun Maini im Ford Mustang und Mirko Bortolotti im Lamborghini Temerario GT3 die Top 5. Luca Engstler sicherte sich im zweiten Lamborghini den sechsten Rang, während Aston-Martin-Pilot Nicki Thiim mit Platz sieben wichtige Punkte sammelte und sich auf den dritten Rang der Meisterschaftstabelle vorschob. Die Top 10 wurden durch den ehemaligen Formel-1-Piloten Timo Glock im McLaren, Marco Mapelli und Porsche-Fahrer Bastian Buus vervollständigt.
Mit diesem Resultat geht die DTM in ein hochexplosives Saisonfinale. Da Maro Engel patzte und Thomas Preining die Gunst der Stunde nutzte, trennt die beiden Spitzenreiter vor den verbleibenden vier Saisonrennen nur noch ein einziger Punkt.
Das komplette Rennergebnis der DTM auf dem Nürburgring können Sie hier nachlesen.


















