
Wer vom Verbrenner auf ein Elektroauto umsteigt, schaut beim Laden meist vor allem auf den aktuellen Strompreis pro Kilowattstunde. Doch auf der Stromrechnung am Monatsende taucht oft eine böse Überraschung auf: Der gemessene Verbrauch ab Zähler ist spürbar höher als das, was laut Bordcomputer im Akku der Fahrzeuge gelandet ist. Die Ursache für dieses Phänomen sind sogenannte Ladeverluste.
Dass diese Verluste technisch unvermeidbar sind, ist kein Geheimnis. Wie drastisch die Unterschiede je nach gewählter Lademethode jedoch ausfallen, hat der ADAC nun in einer umfassenden Untersuchung aufgedeckt. Das Ergebnis ist eine eindeutige Warnung an alle E-Autofahrer, die ihre Mobilitätskosten minimieren wollen.
Warum beim Laden von Elektroautos wertvoller Strom verpufft
Die physikalischen und technischen Gründe für die Differenz zwischen eingespeister und gespeicherter Energie sind vielfältig. Zum einen arbeitet das öffentliche Stromnetz mit Wechselstrom (AC), während die Batterien von Elektroautos ausschließlich Gleichstrom (DC) speichern können. Für die Umwandlung ist im Fahrzeug ein sogenannter On-Board-Changer (OBC) verbaut. Bei dieser Transformation entsteht unweigerlich Wärme – und Wärme bedeutet in der Elektrotechnik immer den Verlust von Energie.
Zum anderen schläft das Auto während des Ladevorgangs nicht. Damit der Strom sicher fließen kann, müssen die Steuergeräte des Fahrzeugs permanent aktiv sein. Zudem laufen Batteriemanagementsysteme, die Kühlung oder bei kalten Temperaturen die Heizung des Akkus. Da diese Bordsysteme während der gesamten Ladezeit echten Strom verbrauchen, gilt eine einfache Faustformel: Je länger das Auto an der Leitung hängt, desto mehr Energie wird rein für den Betrieb des Fahrzeugs während des Stillstands verschwendet.
Der ADAC-Test: Fünf aktuelle Elektroautos im Effizienzcheck
Um herauszufinden, wie hoch der zusätzliche Energiebedarf in der Praxis tatsächlich ausfällt, hat der Automobilclub fünf moderne Elektrofahrzeuge unter exakt definierten Bedingungen getestet. Die Fahrzeuge wurden drei verschiedenen Ladeszenarien unterzogen:
- Dem Laden an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose (Schuko) mit einer Leistung von 2,3 kW.
- Dem simulierten PV-Überschussladen an einer Heimladestation (Wallbox) mit einer auf 4,2 kW reduzierten Ladeleistung.
- Dem Laden an der Wallbox mit der maximal möglichen Leistung des jeweiligen Fahrzeugs (entweder 11 kW oder 22 kW).

Das Fiasko an der Haushaltssteckdose
Die Ergebnisse der Untersuchung lassen keinen Raum für Interpretationen. Das Laden an der Haushaltssteckdose schnitt bei allen getesteten Modellen mit Abstand am schlechtesten ab. Durch die geringe Leistung von 2,3 kW zieht sich der Ladevorgang extrem in die Länge, was die internen Steuergeräte über Stunden hinweg befeuerte.
Besonders ineffizient präsentierte sich in diesem Szenario der Mercedes-Benz CLA EQ. Bei diesem Modell landete fast ein Viertel (rund 25 Prozent) des bezahlten Stroms überhaupt nicht im Akku, sondern ging auf dem Weg dorthin verloren. Auch bei den übrigen Testkandidaten sah es kaum besser aus: Hier pendelten sich die Ladeverluste im Schnitt bei rund 15 Prozent ein. Für Verbraucher bedeutet das: Wer regelmäßig an der Steckdose lädt, zahlt dauerhaft einen saftigen Aufschlag für Energie, die ungenutzt verpufft.
PV-Überschussladen: Ein lohnender Kompromiss
Viele Besitzer einer eigenen Photovoltaikanlage nutzen das sogenannte Überschussladen. Dabei wird die Ladeleistung der Wallbox dynamisch an den aktuellen Ertrag der Solaranlage auf dem Dach angepasst. Scheint die Sonne nur schwach, sinkt auch die Ladeleistung – im ADAC-Szenario wurde dies mit einer reduzierten Leistung von 4,2 kW simuliert.
Obwohl das Laden auch hier länger dauert als bei voller Auslastung, zeigten sich die Fahrzeuge deutlich effizienter als an der Schukosteckdose. Bei allen getesteten Autos lagen die Energieverluste in diesem Modus unter der Marke von 13 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass der Solarstrom vom eigenen Dach deutlich günstiger ist als der Netzstrom, bleibt diese Methode für Eigenheimbesitzer trotz leichter Verluste wirtschaftlich hochattraktiv.
Die Wallbox mit voller Leistung: Der Effizienz-Sieger
Die mit Abstand besten Werte erzielten die Tester, wenn die Fahrzeuge an einer dedizierten Wallbox mit der maximalen Ladeleistung von 11 kW beziehungsweise 22 kW betrieben wurden. Durch die hohe Power verkürzt sich die Ladezeit dramatisch, wodurch die fahrzeugeigenen Systeme nur für einen kurzen Zeitraum aktiv sein müssen.
In diesem optimalen Szenario sanken die Ladeverluste bei sämtlichen Testfahrzeugen auf unter sieben Prozent. Als absoluter Musterschüler der Untersuchung kristallisierte sich der Renault R5 heraus. Der französische Kompaktwagen wies sowohl beim PV-Überschussladen als auch beim Laden mit maximaler Leistung an der Wallbox die geringsten Verluste im gesamten Testfeld auf.
Fazit und Empfehlungen für die Praxis
Aus den vorliegenden Ergebnissen leitet der ADAC eine unmissverständliche Empfehlung für alle E-Auto-Besitzer ab: Die normale Haushaltssteckdose sollte im Alltag tabu sein. Sie ist nicht nur aus Sicherheitsgründen (Gefahr von Überhitzung und Kabelbrand bei Dauerlast) ungeeignet, sondern erweist sich auch als ökonomische Sackgasse. Die Schukosteckdose muss als reine Notlösung betrachtet werden, wenn keine andere Infrastruktur zur Verfügung steht.
Wer die Anschaffung eines neuen Elektroautos plant und die Ladeverluste von vornherein minimieren möchte, dem raten Experten zu einem Blick in die unabhängige Datenbank des Verbraucherschutzprogramms Green NCAP. Die Organisation bewertet pro Jahr rund 60 aktuelle Fahrzeugmodelle umfassend auf ihre Umwelt- und Energieeffizienz. Da die Ladeverluste an der heimischen Wallbox dort exakt ermittelt werden und direkt in das Gesamtergebnis einfließen, bietet die Plattform eine verlässliche Orientierungshilfe für den Autokauf.
FAQ: Ladeverluste beim Elektroauto
Was versteht man unter Ladeverlusten bei einem E-Auto?
Unter Ladeverlusten versteht man die Differenz zwischen der Strommenge, die der Stromzähler an der Ladestation anzeigt, und der Energiemenge, die tatsächlich in der Batterie des Fahrzeugs gespeichert wird. Sie bezahlen diesen verloren gegangenen Strom mit.
Warum geht beim Laden von E-Autos Strom verloren?
Die Verluste haben im Wesentlichen zwei physikalische und technische Ursachen:
- Umwandlung von Wechselstrom (AC) in Gleichstrom (DC): Das Stromnetz liefert Wechselstrom, die Batterie benötigt Gleichstrom. Der On-Board-Charger (OBC) des Autos rechnet diesen um, wobei unweigerlich Abwärme entsteht.
- Aktive Bordsysteme: Während des gesamten Ladevorgangs schläft das Auto nicht. Steuergeräte, das Batteriemanagementsystem sowie die Kühlung oder Heizung des Akkus sind aktiv und verbrauchen Strom.
Warum ist das Laden an der normalen Haushaltssteckdose so ineffizient?
An der Haushaltssteckdose (Schuko) wird mit einer sehr geringen Leistung von meist nur 2,3 kW geladen. Dadurch dauert der Ladevorgang viele Stunden. Da die Steuergeräte des Autos während der gesamten Zeit aktiv sein müssen, summiert sich der „Grundverbrauch“ des Fahrzeugs. Laut ADAC-Studie gehen hier bis zu 25 % des Stroms verloren.
Wie hoch sind die Verluste beim Laden an einer Wallbox?
Beim Laden an einer Wallbox mit maximaler Leistung (11 kW oder 22 kW) verkürzt sich die Ladezeit drastisch. Dadurch müssen die Steuergeräte nur kurz laufen, was die Ladeverluste laut ADAC auf unter 7 % senkt. Dies ist die effizienteste Methode für das Laden zu Hause.
Lohnt sich das PV-Überschussladen trotz reduzierter Leistung?
Ja. Wenn die Wallbox die Leistung (z. B. bei Bewölkung) auf 4,2 kW reduziert, steigen die Verluste zwar leicht auf knapp unter 13 % an. Da der Solarstrom vom eigenen Dach jedoch erheblich günstiger ist als Strom aus dem Netz, bleibt diese Methode finanziell dennoch hochgradig rentabel.
Wo finde ich Informationen zu den Ladeverlusten bestimmter Automodelle?
Die genauen Ladeverluste variieren stark von Modell zu Modell. Eine unabhängige und verlässliche Quelle ist die Datenbank des europäischen Verbraucherschutzprogramms Green NCAP. Die Organisation testet rund 60 Fahrzeuge pro Jahr und weist die Effizienz beim Laden an der Wallbox explizit aus.








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