DTM-Spektakel am Norisring: Traumwochenende und Tabellenführung für Nicki Thiim

10
DTM Norisring Nicki Thiim
Nach seinem zweiten Saisonsieg ist Nicki Thiim neuer Spitzenreiter der DTM © Gruppe C Photography

Das Rennwochenende auf dem traditionsreichen Norisring in Nürnberg wird als geschichtsträchtiges Highlight in die DTM-Saison eingehen. Vor ausverkauften Tribünen und einer beeindruckenden Zuschauerkulisse drückte der dänische Aston-Martin-Pilot Nicki Thiim der Veranstaltung seinen persönlichen Stempel auf.

Mit einer makellosen Leistung sicherte sich der Fahrer von Comtoyou Racing sowohl am Samstag als auch am Sonntag die Pole-Position und verwandelte diese Ausgangspositionen in zwei furiose Laufsiege. Durch diesen historischen Doppelschlag übernahm Thiim gleichzeitig die Spitzenposition in der DTM-Gesamtwertung.

Für den Dänen ging mit diesem Erfolg ein lang gehegter Familientraum in Erfüllung. Bereits im Jahr 1992 hatte sein Vater, die Tourenwagen-Legende Joachim Thiim, die Tabelle der DTM angeführt. Nun schaffte es der Sohn, den traditionsreichen Namen Thiim wieder an die Spitze der renommierten Rennserie zu bringen. Entsprechend emotional zeigte sich der Sieger nach der Zieldurchfahrt, als er den Siegerpokal aus den Händen des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder entgegennahm.

Nach seinem zweiten Saisonsieg ist Nicki Thiim neuer Spitzenreiter der DTM
Nach seinem zweiten Saisonsieg ist Nicki Thiim neuer Spitzenreiter der DTM © Gruppe C Photography

Wetterchaos und Rennabbruch in der Anfangsphase

Das achte von insgesamt 16 Saisonrennen verlangte den Fahrern und Strategen am Kommandostand von der ersten Minute an alles ab. Bei sommerlichen Temperaturen von 26 Grad und bewölktem Himmel startete das gesamte Feld zunächst auf profillosen Slicks. Doch unmittelbar nach dem Erlöschen der Startampel setzten auf dem 2.162 Meter langen Stadtkurs erste Regenschauer ein, die den Asphalt in eine Rutschbahn verwandelten. Pole-Setter Nicki Thiim verteidigte die Führung beim Start geschickt vor dem stark aufspielenden Rookie Finn Wiebelhaus, dessen HRT-Teamkollegen Arjun Maini und dem Österreicher Lucas Auer im Mercedes-AMG.

Als die Niederschläge nach gut zehn Minuten sprunghaft zunahmen, überschlugen sich die Ereignisse. Eine heftige Kollision zwischen dem Ferrari-Piloten Matteo Cairoli und Luca Engstler im Lamborghini Temerario GT3 sorgte für Wrackteile auf der Strecke. Die Rennleitung reagierte sofort und unterbrach das Rennen mit der roten Flagge für insgesamt 14 Minuten, um die Unfallstelle zu räumen und die Sicherheit der Fahrer zu gewährleisten.

 

Taktische Reifenpoker und packende Zweikämpfe

Nach dem Re-Start wurde das Rennen hinter dem Safety-Car wieder freigegeben, wobei nun alle Fahrzeuge auf Regenreifen umgerüstet waren. Lucas Auer nutzte die schwierigen Bedingungen auf der nassen Fahrbahn sofort aus. Er überraschte Arjun Maini mit einem präzisen Manöver und schob sich auf den dritten Rang vor. Die Phase auf nasser Strecke währte jedoch nicht lange, da der Regen schnell nachließ und der Asphalt unter den GT3-Boliden abtrocknete.

Es folgte die entscheidende Phase der Boxenstopps. Finn Wiebelhaus und seine HRT-Mannschaft reagierten früh und wechselten zurück auf Slicks. Durch den geschickten Undercut konnte der junge Aufsteiger in den folgenden Runden enormen Druck auf den Führenden Nicki Thiim ausüben und saugte sich Stoßstange an Stoßstange an den Aston Martin heran. Thiim nutzte jedoch seine gesamte Routine aus, hielt der Attacke des Youngsters stand und baute seinen Vorsprung nach einem perfekten zweiten Pflichtboxenstopp kontinuierlich wieder aus.

Nicki Thiim im Aston Martin verteidigte sich erfolgreich
Nicki Thiim im Aston Martin verteidigte sich erfolgreich gegen Finn Wiebelhaus © Hoch Zwei

Nach 62 packenden Runden kreuzte Thiim schließlich als strahlender Sieger die Ziellinie. Mit den Zusatzpunkten für die beiden Pole-Positions sammelte er an einem einzigen Wochenende die maximale Ausbeute von 66 Zählern – ein Kunststück, das zuletzt Thomas Preining beim Saisonfinale 2023 in Hockenheim gelungen war. Wiebelhaus belohnte seine fehlerfreie Rookie-Leistung mit dem zweiten Platz, während Lucas Auer als Dritter das Podium komplettierte. Arjun Maini rettete trotz unglücklich verlaufender Boxenstopps den vierten Platz vor Jules Gounon im Mercedes-AMG.

Die weiteren Platzierungen im Mittelfeld

Auch hinter den Podestplätzen gab es spektakuläre Aufholjagden zu beobachten:

  • Platz 6: Thierry Vermeulen steuerte seinen Ferrari 296 GT3 Evo auf einen soliden sechsten Rang.
  • Platz 7: Maro Engel machte im Mercedes-AMG sieben Positionen gut und rangiert in der Meisterschaft nun auf Platz zwei direkt hinter Thiim.
  • Platz 8: Porsche-Pilot Bastian Buus zeigte eine der stärksten Aufholjagden des Tages und verbesserte sich um sieben Plätze.
  • Platz 9: Der amtierende Champion Thomas Preining landete im Manthey-Porsche auf dem neunten Rang.
  • Platz 10: Lokalmatador Marco Wittmann begeisterte die heimischen Fans in Nürnberg, indem er sich vom enttäuschenden 18. Startplatz bis in die Top-10 vorkämpfte.

Stimmen der Podiumsdritten

Finn Wiebelhaus (HRT Ford Racing): „Ich hätte unfassbar gerne gewonnen, aber ein zweiter Platz an meinem ersten Rennwochenende auf dem Norisring ist ein super Ergebnis. Die ersten Runden auf der nassen Fahrbahn waren eine echte Herausforderung. Nach dem ersten Boxenstopp konnte ich dicht an Nicki Thiim heranfahren, aber an seiner Erfahrung gab es heute einfach kein Vorbeikommen.“

Lucas Auer (Mercedes-AMG Team Landgraf): „Der dritte Platz fühlt sich heute wie ein Sieg an. Der Regen zu Beginn hat mir voll in die Karten gespielt, direkt nach dem Re-Start konnte ich Arjun Maini überholen. Für die Fans war es ein tolles Rennen vor einer riesigen Kulisse. Es hat großen Spaß gemacht und ich hoffe, die Zuschauer hatten eine gute Show.“

Fazit des Rennwochenendes

Das DTM-Wochenende auf dem Norisring bot Motorsport auf absolutem Spitzenniveau und lieferte eine perfekte Mischung aus fahrerischem Können, taktischem Reifenpoker und wetterbedingtem Drama. Das sportliche Fazit steht ganz im Zeichen von Nicki Thiim. Der Däne bewies in den entscheidenden Phasen unter massivem Druck des Rookies Finn Wiebelhaus die Nervenstärke eines Champions und untermauerte mit 66 Punkten am Wochenende seine Titelambitionen im Aston Martin.

Gleichzeitig hat der Stadtkurs in Nürnberg gezeigt, wie hoch die Leistungsdichte in der aktuellen DTM-Saison ist. Junge Nachwuchstalente wie Wiebelhaus fahrten bereits auf Augenhöhe mit etablierten Routiniers wie Auer und Engel. Mit dem Wechsel an der Tabellenspitze ist zur Halbzeit der Meisterschaft die Spannung garantiert. Der Titelkampf ist völlig offen, und das Momentum liegt nach diesem historischen Doppelschlag ganz klar beim neuen Spitzenreiter.

Joerg
Hallo ich bin der Jörg. Ich bin gelernter Kfz Schlosser und früher aktiv im Motorsport unterwegs mit Interesse für Auto Neuheiten sowie generell technische Innovationen aus der digitalen und analogen Welt.