
Der Nürburgring und die DTM feiern am kommenden Rennwochenende eine historische Symbiose. Vom 13. bis 15. August verwandelt sich die legendäre Rennstrecke in der Eifel in ein lebendiges Motorsport-Museum. Kaum ein anderer Kurs ist so tief mit der DNA der Deutschen Tourenwagen-Master (DTM) verwurzelt wie der Traditionskurs in Rheinland-Pfalz. Seit der Premierensaison im Jahr 1984 gastierte die populäre Rennserie in ausnahmslos jedem Jahr in der Eifel. Um dieses außergewöhnliche Jubiläum und die reiche Historie gebührend zu würdigen, erwartet die Fans an diesem Wochenende ein ganz besonderes Highlight: Eine exklusive Auswahl legendärer DTM-Klassiker wird die Grand-Prix-Strecke unter die Räder nehmen und die goldenen Zeiten des Tourenwagensports wieder aufleben lassen. Insgesamt fünf Mal werden die Boliden der 1980er und 1990er Jahre am Wochenende auf die Strecke gehen.
Die goldenen Jahre der Tourenwagen: Legenden zum Anfassen
Die Zuschauer vor Ort dürfen sich auf ein Wiedersehen mit den absoluten Ikonen der Automobilgeschichte freuen. Fahrzeuge wie der bullige Audi V8 Quattro, der hocheffiziente Mercedes-Benz 190E Evo II und der agile BMW M3 E30 prägten eine Ära, in der der Tourenwagensport in Deutschland eine beispiellose Popularität genoss. Diese Fahrzeuge waren nicht nur Rennwagen; sie waren modifizierte Versionen der Autos, die die Fans auch auf der Straße fuhren, was die Identifikation mit den Marken maximierte.
Wenn diese historischen Triebwerke gestartet werden, erwacht die Geschichte der Serie zum Leben. Das tiefe Grollen der V8-Motoren und das aggressive Kreischen der Vierzylinder werden die Eifel zum Beben bringen. Für ältere Fans ist es eine Reise in die eigene Jugend, für jüngere Zuschauer eine seltene Gelegenheit, den puristischen Motorsport vergangener Tage ohne komplexe Hybrid-Systeme oder digitale Fahrhilfen hautnah und ungefiltert zu erleben.
Generationen-Duell und Familiensaga: Die Thiims am Ring
Ein besonderes Highlight wartet nicht nur auf der Strecke, sondern auch im Cockpit eines dieser historischen Fahrzeuge. Kein Geringerer als DTM-Legende und Ex-Champion Kurt Thiim wird sich an diesem Wochenende selbst hinter das Steuer setzen. Der sympathische Däne pilotiert einen originalen Mercedes-Benz 190E Evo II – ein Auto, mit dem er in seiner aktiven Zeit große Erfolge feierte.

Thiim verbindet eine ganz besondere Erfolgsgeschichte mit dem Nürburgring: Gleich zwei Mal konnte er während seiner aktiven DTM-Karriere einen Laufsieg in der Eifel einfahren. Den größten Meilenstein seiner Karriere feierte er jedoch im Jahr 1986, als er sich zum DTM-Gesamtsieger krönte – damals allerdings noch auf einem bulligen Rover Vitesse.
Die Familiensaga der Thiims schreibt sich an diesem Wochenende auf dem Nürburgring nahtlos fort. Während der Vater die Historie zelebriert, kämpft Sohn Nicki Thiim in der aktuellen DTM-Saison um die Krone. Nicki Thiim konnte in dieser Saison bereits im Aston Martin mehrfach nachhaltig überzeugen, sammelte wichtige Podestplätze und grüßte zeitweise sogar von der Tabellenspitze. Beim Kampf um den diesjährigen Titel kann der Sohn mit Sicherheit auf die tatkräftige Unterstützung und den unschätzbaren Erfahrungsschatz seines Vaters vor Ort an der Boxengasse zählen.
Die Rückkehr des Wildpferds: Ford Mustang gestern und heute
Neben den klassischen Duellen zwischen BMW und Mercedes steht an diesem Wochenende auch die Marke Ford im Fokus der Aufmerksamkeit. In der modernen DTM hat sich längst ein neuer Publikumsliebling in die Herzen der Fans gefahren: der Ford Mustang GT3. Das brachiale Muscle Car aus den USA, das in dieser Saison von den Piloten Arjun Maini und Finn Wiebelhaus gesteuert wird, stand in der aktuellen Meisterschaft bereits mehrfach auf dem Podium und sorgt mit seinem unverkennbaren V8-Sound für Gänsehaut auf den Tribünen.

Doch der aktuelle GT3-Renner ist keineswegs das erste „Pony Car“, das die traditionsreiche deutsche Serie aufmischt. Der Blick in die Geschichtsbücher verrät: Bereits Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre sorgte ein US-amerikanisches Wildpferd für Furore. Damals war es der Berliner Einzelkämpfer und Kult-Pilot Gerd Ruch, der mit einem modifizierten Mustang der dritten Generation – in Fankreisen auch liebevoll „Foxbody“ genannt – als absoluter Privatfahrer gegen die übermächtigen Werksteams antrat.
Obwohl Ruch sportlich oft einen schweren Stand gegen die Werksmacht hatte, eroberte er mit seinem kompromisslosen Fahrstil und dem Donnern seines V8-Motors die Herzen der Zuschauer im Sturm. Nach über drei Jahrzehnten kehrt dieses legendäre Rennpferd aus Michigan nun an den Nürburgring zurück.
Exoten und Raritäten: Von Cosworth-Power bis hin zu Japan-Kult
Für die Liebhaber der Marke Ford hält das Rennwochenende in der Eifel noch weitere Leckerbissen bereit. Gleich drei Exemplare des legendären Ford Sierra Cosworth RS500 werden live und in Action auf der Strecke zu bewundern sein. Der Sierra Cosworth war das absolute dominierende Auto der späten 1980er Jahre und fuhr im Jahr 1988 souverän zur DTM-Meisterschaft. Mit seinem markanten, riesigen Heckflügel und der Turbo-Power ist er bis heute ein absoluter Blickfang.
Ergänzt wird das historische Starterfeld durch eine echte Rarität aus Fernost, die man nur noch äußerst selten auf europäischen Rennstrecken zu Gesicht bekommt: eine originale Toyota Supra Mk3 DTM aus dem Jahr 1987. Das japanische Sportcoupé blickt auf eine echte Nürburgring-Historie zurück. Bereits im Jahr 1989 war genau dieses Fahrzeug, damals pilotiert von dem Schweizer Rennfahrer Philipp Müller, beim DTM-Lauf in der Eifel im harten Renneinsatz. Das Besondere: Der Wagen befindet sich bis heute in einem makellosen Zustand, erstrahlt im originalen Design von damals und geht sogar mit der historischen Startnummer auf die Strecke.
Das DTM-Wochenende am Nürburgring beweist damit einmal mehr, dass der moderne GT3-Sport und die Pflege der eigenen Historie perfekt Hand in Hand gehen können, um den Fans ein unvergessliches Gesamterlebnis zu bieten.


















