
Mehr als die Hälfte der getesteten Reifen für Kleinwagen fallen im aktuellen ADAC Winterreifentest durch. Für den umfassenden Qualitätscheck untersuchte der Automobilclub insgesamt 32 Reifenmodelle aus zwei populären Dimensionen. Während die Produkte für die Mittelklasse ein solides Bild abgeben, offenbaren die Pkw-Reifen für kleinere Fahrzeuge teils gravierende Defizite bei der Fahrsicherheit. Verbraucher müssen beim Kauf genau hinschauen, da teure Premiummodelle den Markt dominieren, während Billigimporte ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Die Experten des Mobilitätsclubs testeten jeweils 16 Modelle der Kleinwagen-Dimension 185/65 R15 sowie der Mittelklasse-Größe 225/50 R17. Alle Reifen mussten sich in einem standardisierten Verfahren auf trockener, nasser, verschneiter und vereister Fahrbahn beweisen. Neben den klassischen Kriterien zur Fahrsicherheit flossen Umweltfaktoren wie die prognostizierte Laufleistung, der Reifenabrieb sowie die generelle Effizienz zu rund 30 Prozent in das finale Gesamturteil ein.

Kleinwagen-Dimension enttäuscht im Härtetest
Die Testergebnisse der Dimension 185/65 R15 legen den Verdacht nahe, dass viele Reifenhersteller den Fokus zunehmend von kleineren Reifengrößen abwenden. Das Gesamtergebnis in dieser Kategorie ist alarmierend: Von 16 getesteten Fabrikaten erhielten lediglich zwei das ADAC-Urteil „gut“. Demgegenüber stehen neun Produkte, die aufgrund deutlicher Schwächen nicht uneingeschränkt empfohlen werden können. Drei Reifen fielen mit der Note „mangelhaft“ komplett durch.

Als unangefochtener Testsieger der Kleinwagen-Kategorie ging der Continental WinterContact TS 870 (Gesamtnote 2,2) hervor. Das Modell überzeugte das Testteam mit einer hervorragenden Ausgewogenheit auf allen Fahrbahnbelägen und sicherte sich zudem eine gute Umweltbilanz. Auf dem zweiten Platz folgte der Michelin Alpin 7 (Gesamtnote 2,5), der eine hohe Fahrsicherheit bietet und lediglich beim Handling auf verschneiter Strecke minimale Abstriche verzeichnete.
Am Ende der Tabelle stehen das Trio Sunny Winter-max NW611, Atlas Polarbear HP und Rockblade Rock 868S. Diese Modelle zeigten im Bereich der Fahrsicherheit so drastische Mängel, dass der ADAC eine klare Warnung ausspricht.
Ein weiteres Kriterium war die Haltbarkeit, bei der Kleinwagen-Besitzer deutliche Abstriche machen müssen. Die durchschnittliche prognostizierte Laufleistung lag in dieser Kategorie bei rund 31.000 Kilometern. Das Schlusslicht bildete hier ein Reifen von Bridgestone, der bereits nach mageren 22.000 Kilometern die Verschleißgrenze erreichte.
Mittelklasse-Reifen überzeugen mit höherer Laufleistung
Deutlich positiver gestaltete sich das Bild bei der größeren Dimension 225/50 R17, die auf vielen Fahrzeugen der Mittelklasse zum Einsatz kommt. Vier Reifen sicherten sich hier die Gesamtnote „gut“. An der Spitze positionierte sich der Pirelli Cinturato Winter 3 mit einer Gesamtnote von 2,2. Das italienische Fabrikat glänzte insbesondere bei Nässe und schrammte dort nur haarscharf an einer „sehr guten“ Bewertung vorbei.

Knapp dahinter folgten der Continental WinterContact TS 870 (Gesamtnote 2,3) sowie die Premium-Wettbewerber von Goodyear und Michelin, die sich ebenfalls eine gute Gesamtbewertung verdienten. Neben den besseren Noten auf der Straße punkten die Mittelklasse-Reifen vor allem beim Verschleiß: Mit einer durchschnittlich erwartbaren Laufleistung von über 45.000 Kilometern übertreffen sie die kleineren Pkw-Reifen deutlich.
Doch auch in der Mittelklasse ist nicht alles makellos. Sechs der 16 getesteten Reifen stuften die Experten als mangelhaft ein. Die Kernursache liegt hier in einer mangelnden Ausgewogenheit. Viele der günstigeren Produkte zeigten im Test einen klassischen Zielkonflikt: Akzeptablen Leistungen auf Schnee standen teils gefährliche Defizite bei Nässe oder auf trockener Fahrbahn gegenüber. Da ein Reifen in allen Sicherheitskategorien Mindeststandards erfüllen muss, führten diese eklatanten Einzelschwächen zur Abwertung der Gesamtnote.
Wichtige ADAC-Empfehlungen für Autofahrer
Der Automobilclub rät Verbrauchern, die Reifenwahl strikt auf das eigene Fahrprofil abzustimmen. Vielfahrer sollten neben den reinen Brems- und Grundeigenschaften zwingend die prognostizierte Laufleistung und den Abrieb in die Kaufentscheidung einbeziehen.
Zudem erinnert der Club an die gesetzlichen und technischen Grenzen von Winterreifen. Spätestens nach acht Jahren sollten Reifen aus Sicherheitsgründen ersetzt werden, da die Gummimischung im Laufe der Zeit verhärtet. Obwohl der Gesetzgeber eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vorschreibt, zeigen aktuelle Untersuchungen des ADAC, dass die Haftung auf Schnee und Eis schon weit vorher massiv nachlässt. Der Verband empfiehlt daher dringend, Winterreifen bereits ab einer verbleibenden Profiltiefe von weniger als vier Millimetern rechtzeitig auszutauschen.
















