
Im Jahr 1991 mischte Mazda die europäische Sportwagen-Szene mit zwei radikalen Coupés auf. Während der kompakte Mazda MX-3 mit dem kleinsten Großserien-V6 der Welt verblüffte, setzte der größere Mazda MX-6 auf Hightech-Allradlenkung. Zum Jubiläum blickt die Autowelt auf diese Meilensteine zurück – während die Roadster-Ikone MX-5 zeitgleich frisch geschärft in das Modelljahr 2027 startet.
Die Automobilindustrie der frühen 1990er-Jahre war von einem radikalen Umbruch im Design und in der Technik geprägt. Mittendrin statt nur dabei: der japanische Automobilhersteller Mazda. Unter dem legendären Kürzel „MX“ – was traditionell für Mazda Experimental und besonders innovative Fahrzeugkonzepte steht – brachten die Ingenieure aus Hiroshima Fahrzeuge auf den Markt, die Sehgewohnheiten brachen und technische Grenzen verschoben. Vor genau 35 Jahren, im Jahr 1991, zündete die Marke die nächste Stufe ihrer Produktoffensive: Die Sportcoupés Mazda MX-3 und Mazda MX-6 erblickten das Licht der Welt.
Das MX-Gen: Vom futuristischen Konzept zum Massenphänomen
Schon vor dem großen Coupé-Jahr 1991 hatte Mazda bewiesen, dass der Mut zur Nische belohnt wird. Nachdem Anfang der 1980er-Jahre Studien wie der Technologieträger MX-02 (1983) das Kürzel prägten, folgte 1989 der ganz große Paukenschlag: Der Mazda MX-5 erfand den klassischen Roadster neu. Bis heute wurden weit über 1,2 Millionen Einheiten des Zweisitzers verkauft.
Doch Mazda wollte mehr als nur die Frischluft-Fraktion bedienen. Das Ziel für 1991 lautete, das Segment der sportlichen Coupés zu revolutionieren. Damals war es in der Branche üblich, Coupés schlicht als verkürzte, zweitürige Derivate bestehender Limousinen zu bauen. Mazda wählte einen völlig anderen Ansatz. Zwar nutzten die neuen Modelle die bewährte und zuverlässige Großserientechnik der Marke – der MX-3 basierte auf Komponenten des Kompaktwagens 323, der MX-6 auf dem Mittelklasse-Modell 626 –, doch optisch und konzeptionell handelte es sich um komplett eigenständige Fahrzeuge mit athletischem Design und kompromissloser Fahrdynamik.

Mazda MX-3: Paukenschlag in Genf mit dem Mini-V6
Die Weltpremiere des Mazda MX-3 im März 1991 glich einer Sensation. Entgegen der damaligen Gepflogenheiten präsentierte Mazda das kompakte Sportcoupé nicht zuerst in Japan oder auf einer US-Messe, sondern wählte den Genfer Automobilsalon. Damit setzten die Japaner ein klares Ausrufezeichen hinter ihre europäischen Ambitionen. Der nur 4,22 Meter lange 2+2-Sitzer avancierte sofort zum Publikumsliebling.
Optisch war der MX-3 ein Vorreiter des sogenannten „Biodesigns“ – geprägt von runden, organischen Formen und fließenden Linien. Statt auf die Klappscheinwerfer des MX-5 setzte man hier auf ellipsenförmige Frontleuchten. Die zeitgenössische Presse schwärmte von der Optik eines „jungen Pumas“.
Die wahre Revolution spielte sich jedoch unter der extrem flachen Motorhaube ab. Neben einem soliden 1,6-Liter-Vierzylinder mit 65 kW (88 PS) präsentierte Mazda ein ingenieurstechnisches Meisterwerk: einen 1,85-Liter-Sechszylinder (1.845 cm³) in 60-Grad-V-Anordnung. Mit einer Leistung von 98 kW (133 PS) war dies der weltweit kleinste in Großserie gefertigte V6-Motor.
Dieser Triebwerks-Meilenstein bestach durch eine extreme Laufruhe und nahm das heutige „Downsizing“-Prinzip vorweg. Trotz sechs Zylindern verbrauchte der MX-3 bei konstant 90 km/h lediglich 7,1 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer – ein Fabelwert für die damalige Zeit. Dank konsequentem Leichtbau wog das Coupé mit der großen, gläsernen Heckklappe nur zwischen 1.030 und 1.115 Kilogramm. Kombiniert mit dem Fahrwerkskonzept „Stagility“ (einer Wortschöpfung aus Stabilität und Agilität) bot der Fronttriebler ein messerscharfes Handling. Bis zum Produktionsende 1998 wurden allein in Deutschland rund 20.000 Einheiten verkauft.
Mazda MX-6: Der unterschätzte Hightech-Gran-Turismo
Nur sechs Monate nach dem MX-3 folgte im September 1991 der große Bruder: der Mazda MX-6. Platziert in der gehobenen Mittelklasse, sollte dieser 4,62 Meter lange 2+2-Sitzer das Erbe des erfolgreichen 626 Coupés antreten, ging dabei aber optisch radikal neue Wege. Seine fließende Silhouette, die niedrige Gürtellinie und die gestreckte Proportion verliehen ihm die Präsenz eines reinrassigen Gran Turismo.
In Deutschland wurde der MX-6 neben einem 2,0-Liter-Vierzylinder (85 kW / 115 PS) vor allem mit einem seidenweich laufenden 2,5-Liter-V6 ausgeliefert, der stolze 121 kW (165 PS) auf die Straße brachte. Das technologische Highlight war jedoch das optionale, elektronisch geregelte Allradlenkungssystem „4WS“ (Four-Wheel Steering).
Bei niedrigen Geschwindigkeiten lenkten die Hinterräder entgegengesetzt zu den Verrädern, was den Wendekreis drastisch verkleinerte. Bei hohem Tempo lenkten sie gleichsinnig mit, was Lastwechselreaktionen bei schnellen Spurwechseln minimierte und eine bis dato ungekannte Kurvenstabilität garantierte. Der MX-6 blieb ein exklusives Vergnügen: Bis 1997 rollten nur rund 2.700 Exemplare auf Deutschlands Straßen, was ihn heute zu einer extrem seltenen und gesuchten Rarität auf dem Youngtimer-Markt macht.
Ausblick: Die Legende lebt im Mazda MX-5 2027 weiter
Während der MX-3 und der MX-6 heute in der Klassiker-Szene gefeiert werden, hält ein anderes MX-Modell die Fahne des puren Fahrspaßes in der Gegenwart hoch. Der Mazda MX-5 hat alle Modetrends überlebt und startet mit gezielten Verfeinerungen in das Modelljahr 2027.

Die Japaner bleiben ihrer Philosophie des „Jinba Ittai“ – der Einheit von Fahrer und Fahrzeug – treu. Für das Modelljahr 2027 steigt die Leistung des 1,5-Liter Skyactiv-G Saugmotors um vier Pferdestärken auf nun 100 kW (136 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 155 Nm. Gleichzeitig gelang es den Ingenieuren, die Effizienz weiter zu steigern: Der kombinierte Kraftstoffverbrauch sinkt auf 6,1 Liter je 100 Kilometer, was einem CO₂-Ausstoß von 139 g/km entspricht (CO₂-Klasse E).
Besonders sportliche Fahrer greifen zur HOMURA-Ausstattung, die ab Werk mit einem Bilstein®-Sportfahrwerk, einer vorderen Domstrebe und geschmiedeten, schwarzen 16-Zoll-Leichtmetallfelgen von RAYS® bestückt ist. Neu im Programm ist zudem das exklusive Sondermodell „YAKUDO“ für die Softtop-Variante. Mit silbernen Exterieur-Akzenten, einem hellgrauen Stoffverdeck und edlen Alcantara-Applikationen im Innenraum unterstreicht es den handwerklichen Anspruch von Mazda: Crafted with Japanese Soul. Die MX-Saga ist auch nach 35 Jahren noch lange nicht zu Ende.



















