
Volkswagen hat mit der seriennahen Studie „Mission Efficiency“ ein hocheffizientes Elektroauto vorgestellt, das bei Testfahrten drei Effizienz-Weltrekorde aufgestellt hat. Das Konzeptfahrzeug basiert zu großen Teilen auf bewährter Serientechnik des kommenden ID. Polo und kombiniert diese mit extremer Aerodynamik, um den Energieverbrauch im Realbetrieb drastisch zu senken.
Drei Weltrekorde und die Ergebnisse der Realfahrt
Die Konzeptstudie erzielte laut Volkswagen drei neue Bestwerte für Elektrofahrzeuge ihrer Klasse:
- Aerodynamik-Rekord: Das Fahrzeug erreicht einen Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) von 0,158, was einen neuen Spitzenwert für straßenzugelassene Automobile darstellt.
- Idealkonsum: Bei einer Konstantfahrt mit 68 km/h ohne Steigungen und bei ausgeschalteten Nebenverbrauchern lag der Verbrauch bei 6,48 kWh/100 km.
- Klassenbestwert: Dank des optimierten MEB+-Antriebs gilt das Modell als sparsamstes seriennahes Elektroauto seiner Kategorie.
Auf einer dokumentierten Langstreckenfahrt über 1.278,36 Kilometer von Wolfsburg über Poznań und Olmütz nach Wien ermittelte VW einen Realverbrauch von 7,51 kWh/100 km (inklusive Ladeverluste; 6,89 kWh/100 km ohne Ladeverluste). Die Strecke wurde mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 67,72 km/h und einer Spitzengeschwindigkeit von 138 km/h zurückgelegt. Die 54,9-kWh-Batterie musste auf der gesamten Distanz nur ein einziges Mal nachgeladen werden; bei der Ankunft verblieb eine Restreichweite von 164 Kilometern.
Serientechnik des ID. Polo als Basis
Im Gegensatz zu früheren Extrem-Prototypen greift Volkswagen beim Mission Efficiency auf Großserientechnik zurück. Das Fahrzeug nutzt die MEB+-Plattform mit Frontantrieb. Die E-Maschine mit 99 kW (135 PS) sowie die Hochvoltbatterie stammen direkt aus dem Serienentwicklungsprogramm des ID. Polo. Ziel des Projekts war es zu zeigen, dass sich extreme Effizienzwerte auch mit bezahlbarer und plattformbasierter Großserientechnik realisieren lassen.
Karosserie und Aerodynamik im Detail
Das Design des 4.775 mm langen und 1.392 mm hohen Coupés ist strikt funktional ausgelegt und erinnert laut VW-Chefdesigner Andreas Mindt an den Technologieträger Volkswagen XL1 aus dem Jahr 2013.
Wesentliche Merkmale zur Reduzierung des Luftwiderstands sind:
- Eine strömungsoptimierte Tropfenform mit einer kleinen Stirnfläche von 2,08 m².
- Aktive Kühlluftklappen, verkleidete Hinterräder und ein vollständig geschlossener Unterboden.
- In die Außenhaut integrierte Türgriffe und rahmenlose Scheiben.
Diese Optimierungen führen dazu, dass der Energiebedarf ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h um mehr als 30 Prozent unter dem des Standard-ID. Polo liegt. Bei 140 km/h verbraucht die Studie etwa so viel Energie wie das Serienmodell bei 100 km/h. Die Karosserie kombiniert eine Aluminiumstruktur mit Komponenten aus einem CFK-Aramid-Verbund und bietet Platz für 2+2 Sitze sowie ein Kofferraumvolumen von 481 Litern. Die hinteren Plätze sind für Personen bis 1,60 Meter Körpergröße ausgelegt.

Neue Brems- und Reifentechnologie
Während an der Vorderachse die klassische MacPherson-Achse und die hydraulische Bremse des ID. Polo verbaut sind, kommt an der Hinterachse erstmals eine elektromechanische Bremse zum Einsatz. Diese wurde gemeinsam mit dem Zulieferer AUMOVIO entwickelt, reduziert Reibungsverluste und verbessert die Rekuperationsleistung. Der Prototyp besitzt eine offizielle EU-Straßenzulassung.
Zudem wurde in Kooperation mit Continental ein spezieller Konzeptreifen auf Basis des EcoContact 7 entwickelt. Mit einem Rollwiderstand von 4,9 kg/t liegt dieser rund 25 Prozent unter dem Grenzwert der besten EU-Reifenlabel-Klasse A. Um Verwirbelungen in den Radhäusern zu minimieren, wurden zudem patentierte Felgendeflektoren und flache Radabdeckungen integriert.

Solarunterstützung und reduziertes Interieur
Zur weiteren Energieeinsparung ist in das Glasdach und die Heckklappe eine Photovoltaikanlage mit 370 Watt Leistung integriert. Diese speist das Bordnetz und kann die Reichweite je nach Wetterbedingungen um bis zu 30 Kilometer pro Tageslichtphase erhöhen. Im Innenraum wurde konsequenter Leichtbau umgesetzt: Das klassische Infotainment- und Lautsprechersystem entfällt. Stattdessen nutzen Fahrer eigene Smartphones oder Tablets („Bring your own device“) in Kombination mit einer mobilen Bluetooth-Box.


















