
Das BMW Motorrad World Endurance Team hat sich beim dramatischen Saisonfinale in Le Castellet (Frankreich) zum neuen Weltmeister der FIM Endurance World Championship (FIM EWC) gekrönt. Die Fahrer Michael van der Mark (NED), Markus Reiterberger (GER) und Steven Odendaal (RSA) feierten auf der BMW M 1000 RR einen dominanten Start-Ziel-Sieg beim legendären 24-Stunden-Rennen „Bol d’Or“. Damit schreibt die Mannschaft Geschichte: Es ist der erste WM-Titel für einen europäischen Motorradhersteller in der Geschichte der Langstrecken-Weltmeisterschaft.
Die Revanche nach dem Vorjahresdrama
Für das Team um Teamchef Werner Daemen schließt sich mit diesem Triumph ein Kreis. Noch im vergangenen Jahr erlebte die Mannschaft an gleicher Stelle in Südfrankreich ein sportliches Drama, als ein technischer Defekt knapp 30 Minuten vor dem Ende alle Titelträume zunichte machte. Diese Enttäuschung nutzte die Crew als zusätzliche Motivation für die Saison 2026. Wo im Vorjahr noch Tränen der Enttäuschung flossen, herrschte nach der Zieldurchfahrt ausgelassener Jubel.
Konstanz und Aufholjagd in der Saison 2026
Der Weg zum Titel war von einer starken Teamleistung geprägt. Nach einem unglücklichen Saisonauftakt bei den 24 Stunden von Le Mans, wo technische Probleme das Team trotz Führung in den Morgenstunden zurückwarfen, folgte der Wendepunkt mit einem Heimsieg beim 8-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps. Ein historischer dritter Platz bei den prestigeträchtigen Suzuka 8 Hours in Japan hielt das Titelrennen offen. Vor dem großen Finale in Le Castellet betrug der Rückstand auf das führende YART-Yamaha-Team noch 19 Punkte.
Die Weltmeister-Saison 2026 im Überblick
| Station | Rennen | Ergebnis (#37) | Bedeutung für die WM |
| Le Mans (FRA) | 24-Stunden-Rennen | Rückfall nach Führung | Rückschlag zum Saisonauftakt |
| Spa (BEL) | 8-Stunden-Rennen | Sieg | Erste dicke Punkte im Titelkampf |
| Suzuka (JPN) | 8-Stunden-Rennen | Platz 3 | Erstes Podium eines europ. Herstellers in Suzuka |
| Le Castellet (FRA) | 24 Stunden (Bol d’Or) | Sieg & Poleposition | WM-Titelgewinn (+4 Punkte vor YART) |
Effizienz und Superbike-Genetik als Schlüssel zum Erfolg
Dass der finale Triumph in Frankreich so dominant ausfiel, lag maßgeblich an der technischen Weiterentwicklung der BMW M 1000 RR. Neben der puren Geschwindigkeit überzeugte das Motorrad auf der schnellen Start-Ziel-Geraden in Le Castellet vor allem durch seine Kraftstoffeffizienz.

Durch einen optimierten Verbrauch im Vergleich zur japanischen Konkurrenz konnte das Team die Stints der Fahrer verlängern. Über die Distanz von 24 Stunden sparte BMW dadurch wertvolle Boxenstopps ein – ein entscheidender taktischer Vorteil im Langstreckensport. Zudem profitierte die Mannschaft vom Technologietransfer aus der Superbike-WM (WorldSBK), wo BMW in den vergangenen Jahren bereits zwei Titel einfahren konnte. Die dort erprobten Motor- und Elektronik-Komponenten wurden erfolgreich auf die extremen Belastungen eines 24-Stunden-Rennens angepasst.
Der perfekte Showdown beim Bol d’Or
Um den Titel zu sichern, musste das BMW-Team beim Bol d’Or auf maximale Punktejagd gehen. Das Vorhaben gelang fehlerfrei: Neuzugang Michael van der Mark sicherte sich in der Qualifikation die Bestzeit, was dem Team zusammen mit Markus Reiterberger die Poleposition und fünf Bonuspunkte einbrachte.
Auch im Rennen agierte die Mannschaft fehlerfrei. Nach zusätzlichen Führungssegmenten nach acht und 16 Rennstunden überquerte Schlussfahrer Reiterberger nach 24 Stunden die Ziellinie als Sieger. Da der direkte Rivale YART das Rennen auf dem dritten Platz beendete, drehte BMW die Gesamtwertung und holte die Weltmeisterschaft mit einem hauchdünnen, aber verdienten Vorsprung von vier Punkten.
Stimmen aus dem Team: Historischer Meilenstein für BMW
- Markus Flasch (Leiter BMW Motorrad): „Wir sind mehr als proud auf euch! Der dritte Weltmeistertitel für unsere BMW M 1000 RR innerhalb von drei Jahren und ein weiterer Meilenstein für BMW Motorrad. Nach den beiden Titeln in der WorldSBK sind wir nun als erster europäischer Hersteller auch Weltmeister auf der Langstrecke.“
- Sven Blusch (Leiter BMW Motorrad Motorsport): „Die gesamte Woche war eine Demonstration von BMW und davon, was die BMW M 1000 RR zu leisten fähig ist. Ein besonderer Dank geht an Werner Daemen. Die Fahrer sind ein würdiges Weltmeister-Trio. Niemand steht im Vordergrund, jeder stellt sich in den Dienst der Sache.“
- Christian Gonschor (Technischer Direktor BMW Motorrad Motorsport): „Das Rennen lief von der ersten bis zur letzten Runde perfekt. Wir haben auch von unseren Superbike-Erfahrungen profitiert und die Erfolgsrezepte aus den vergangenen Jahren hier implementiert.“
- Werner Daemen (Teammanager): „Es ist eine Achterbahn der Gefühle. Wir haben dieses Projekt vor sieben, acht Jahren gestartet und wussten, dass es gegen die erfahrenen japanischen Marken schwierig wird. Wir haben nicht nur das beste Motorrad aufgebaut, sondern auch das beste Team.“
- Markus Reiterberger (Fahrer): „Endlich haben wir es geschafft. Im vergangenen Jahr hatten wir ein bisschen Pech, deshalb war ich im letzten Stint etwas nervös. Ich kann kaum in Worte fassen, wie wir uns jetzt fühlen.“
- Michael van der Mark (Fahrer): „Dieses Jahr haben das Team und BMW noch einmal das nächste Level erreicht. Wir Fahrer haben uns immer gegenseitig geholfen und gepusht. Hier mussten wir die Poleposition holen und gewinnen – und genau das haben wir getan.“
















