
Beim packenden Qualifying zum Großen Preis von Italien in Monza hat Mercedes-Pilot George Russell die Pole Position nur um hauchdünne 0,060 Sekunden verpasst. In einem unvorhersehbaren Fünfkampf an der Spitze sorgte Alpine-Fahrer Pierre Gasly für die absolute Überraschung und schnappte den Silberpfeilen den ersten Startplatz weg. Russell geht damit am Sonntag von Startplatz zwei ins Rennen, während Teamkollege Kimi Antonelli nach einer Grid-Strafe eine Aufholjagd droht.
Taktikspiele in Monza: Windschatten-Hilfe und Verkehr frustrieren Mercedes
Schon im dritten freien Training am Vormittag deutete Mercedes mit der Bestzeit von George Russell an, dass der Sieg im Qualifying nur über die Brackley-Mannschaft führen würde. Am Nachmittag entwickelte sich im Autodromo Nazionale di Monza jedoch ein strategisches Millimeter-Duell, in dem neben Ferrari, McLaren und Red Bull plötzlich auch Alpine ein Wörtchen mitredete.
Da Kimi Antonelli aufgrund eines vorzeitigen Wechsels der Power Unit ohnehin eine Strafversetzung ans Ende des Feldes verbüßen muss, stellte sich der junge Italiener voll in den Dienst des Teams. In Q3 absolvierte er nur einen echten Versuch und konzentrierte sich primär darauf, Russell auf den langen Geraden wertvollen Windschatten zu spenden.
Obwohl der Brite nach dem ersten Schlagabtausch auf der provisorischen Pole Position lag, brachte der finale Run nicht den gewünschten Erfolg. Auf der Out-Lap geriet Russell in dichten Verkehr und startete seine finale Zeitenjagd unmittelbar hinter dem Red Bull von Max Verstappen, was optimale Bedingungen verhinderte. Trotz blockierender Bremsen in den Schikanen verbesserte sich Russell auf eine Endzeit von 1:21,846 Minuten – was letztlich knapp nicht reichte, um Gasly zu verdrängen. Antonelli beendete die Session auf einem starken siebten Platz, wird aber nach hinten versetzt.
Die Stimmen aus dem Mercedes Lager
George Russell (Startplatz 2):
„Die Pole Position war heute zum Greifen nah. Der letzte Versuch verlief für uns nicht ganz rund. Kimi hat mich hervorragend unterstützt und mir im entscheidenden Moment einen nützlichen Windschatten gegeben. Aber auf der letzten Push Lap hat Max (Verstappen) uns in der Parabolica das Leben etwas erschwert. Trotzdem: Herzlichen Glückwunsch an Pierre. Wir hatten heute nicht mit einer solchen Pace von ihm gerechnet, aber er hat dieses Ergebnis voll und ganz verdient. Mit Startplatz zwei befinden wir uns für morgen weiterhin in einer starken Position. Auf einer Strecke wie Monza ist die Startposition nicht alles, da es echte Überholmöglichkeiten gibt.“

Kimi Antonelli (Startplatz 20 nach Strafe):
„Es war ein sehr seltsames Gefühl, ins Qualifying zu gehen, wohl wissend, dass ich für das Rennen eine Strafe erhalten würde. Natürlich hätte ich mir gewünscht, um die Pole zu kämpfen, aber ich hatte eine Aufgabe für das Team zu erfüllen und George zu unterstützen. Ich bin froh, dass mir das heute gelungen ist. Morgen geht es darum, das Rennen zu genießen. Es dürfte reichlich Chancen geben, um Positionen gut zu machen. Der Schlüssel wird sein, einen sauberen Start hinzulegen, Ärger zu vermeiden und dann die vor uns fahrenden Autos einzuholen.“
Toto Wolff (Teamchef und Geschäftsführer):
„Herzlichen Glückwunsch an Pierre und Alpine, sie haben heute hervorragende Arbeit geleistet. Unser Qualifying verlief nicht ganz reibungslos. Wir haben versucht, den Windschatten optimal zu nutzen, wurden aber von den vor uns fahrenden Autos ausgebremst. Die wichtigste Erkenntnis für uns ist, dass wir ein wirklich schnelles Auto haben. Gleichzeitig sind die Ferrari-Fahrer extrem nah dran und wirkten vor heimischem Publikum konkurrenzfähig. Auch McLaren und Red Bull waren schnell. Wir wissen also, dass wir jedes Detail richtig hinbekommen müssen.“
Andrew Shovlin (Trackside Engineering Director):
„Das heutige Qualifying war nicht gerade unsere rundeste Session. Natürlich war es eine kleine Überraschung, dass wir von Pierre Gasly geschlagen wurden. Da Kimi eine Strafe verbüßen muss, haben wir beschlossen, ihn als Windschatten-Geber einzusetzen. Das hat es für Kimi jedoch erschwert, da er alle seine Runs auf neuen Reifen ohne Windschatten absolvieren musste. George hatte zudem eine schwierige Session mit anhaltendem Blockieren der Bremsen in den Schikanen. Bis zum letzten Run waren wir voll im Kampf, gerieten aber zu Beginn der Runde in den Verkehr. Aus strategischer Sicht wird das Rennen morgen interessant, da George vorne startet und Kimi sich von hinten nach vorne kämpfen muss.“
Ausblick auf das Rennen
Trotz der verpassten Pole Position rechnet sich Mercedes für den Grand Prix am Sonntag einiges aus. Während George Russell aus der ersten Reihe direkt den Sieg ins Visier nimmt, ruhen die Hoffnungen bei Kimi Antonelli auf der starken Longrun-Pace vom Freitag, die dem Youngster den Weg zurück in die Punkteränge ebnen soll.

















