Citroen 2CV Cocorico: Die Geschichte einer legendären Sammler-Ente

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Citroen 2CV Cocorico
Citroen 2CV Cocorico Sonderedition, die ursprünglich im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 entstanden ist © Citroen

Der Citroen 2CV – in Deutschland liebevoll „Ente“ genannt – gehört zu den wichtigsten Meilensteinen der Automobilgeschichte. Konzipiert als minimalistisches, erschwingliches Transportmittel für die breite Bevölkerung, entwickelte sich das Fahrzeug über Jahrzehnte hinweg zum Kultobjekt. Neben den Standardmodellen lebte der Mythos 2CV vor allem von kreativen Sondermodellen wie der „Charleston“ oder der „Dolly“. Eine der seltensten, auffälligsten und heute begehrtesten Editionen feiert ein rundes Jubiläum: der Citroen 2CV Cocorico aus dem Jahr 1986.

Während der französische Automobilhersteller heute die historische Brücke schlägt und das Konzept des simplen Kultwagens für das moderne Elektrozeitalter neu interpretiert, lohnt sich ein detaillierter Blick auf dieses besondere Stück Automobilgeschichte.

Die Entstehung: Vom WM-Marketing zum zeitlosen Sammlerstück

Die Geburtsstunde des 2CV Cocorico schlug im Frühjahr 1986. Zu dieser Zeit regierte der Fußball die Sportwelt: Die Weltmeisterschaft in Mexiko stand kurz bevor. Frankreich besaß damals eine der stärksten Nationalmannschaften der Welt und die Euphorie im Heimatland war riesig. Diesen nationalen Stolz wollte Citroen aufgreifen und im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße bringen.

Der bekannte Designer Serge Gevin, der bereits für das optische Erscheinungsbild anderer erfolgreicher 2CV-Sondermodelle verantwortlich zeichnete, erhielt den Auftrag für den Entwurf. Die ursprüngliche Idee war eng mit dem sportlichen Großereignis verknüpft. Das Auto sollte als rollende Fankurve für die französische Nationalelf dienen.

Die sportliche Realität durchkreuzte jedoch die Marketingpläne: Zwar besiegte Frankreich auf dem Weg ins Halbfinale hochkarätige Gegner wie Italien und Brasilien, schied dann aber am 25. Juni 1986 gegen die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland aus. Ein reines Fußball-Sondermodell schien nach dem Turnier-Aus nicht mehr zeitgemäß.

Citroen hielt dennoch an dem Design fest, modifizierte jedoch das strategische Konzept:

  • Entpolitisierung des Designs: Plakative Fußball-Motive wurden gestrichen.
  • Fokus auf Nationalstolz: Das Design wurde zu einer eleganten Hommage an die französischen Landesfarben umgewandelt.
  • Strikte Limitierung: Die Produktion wurde auf exakt 1.000 Einheiten begrenzt.
  • Marktbarriere: Der Verkauf erfolgte ausschließlich auf dem französischen Heimatmarkt.

Als der Wagen im Oktober 1986 auf dem Pariser Autosalon offiziell vorgestellt wurde, präsentierte er sich nicht als sportliches Merchandise, sondern als automobiles Designobjekt.

Design und Ausstattung: Die Trikolore im Detail

Der Name „Cocorico“ leitet sich vom französischen Begriff für den Hahnschrei ab – dem Nationalsymbol Frankreichs. Optisch spiegelte das Fahrzeug diesen Namen in jeder Facette wider. Als technische und optische Basis diente die Karosserie des Modells in der Farbe „Blanc Meije“ (Weiß).

Auf dieser neutralen Basis setzten die Designer auffällige farbliche Akzente, die dem Auto ein asymmetrisches, dynamisches Aussehen verliehen:

  • Die Seitenpartie: Die Flanken des Fahrzeugs waren von einem großflächigen, sanft verlaufenden Grafikmuster in den Nationalfarben Blau, Weiß und Rot geprägt. Dieser Farbverlauf erstreckte sich über die Türen bis hin zu den hinteren Kotflügeln.
  • Die Heckpartie: Die hinteren Kotflügel wurden im kräftigen Farbton „Rouge Vallelunga“ (Rot) lackiert, was einen starken Kontrast zur weißen Grundfarbe bildete.
  • Die Frontpartie: An den Seiten der Motorhaube befanden sich markante Luftleitbleche, die im exklusiven Farbton „Bleu Cocorico“ gestaltet waren.
  • Das Verdeck: Passend zum sommerlich-leichten Image erhielt die Edition ein helles, weißes Stofffaltdach.
  • Die Räder: Citroen stattete den Cocorico mit weißen Felgen aus, die durch glänzende Edelstahl-Radkappen ergänzt wurden. Diese stammten ursprünglich vom Schwestermodell Dyane 6.
  • Schriftzüge: Rote, geschwungene „2CV Cocorico“-Schriftzüge auf den Türen und der Heckklappe machten das Sondermodell sofort erkennbar.

Auch im Innenraum setzte sich die Eigenständigkeit fort. Anstelle der typischen grauen oder braunen Standardbezüge kamen Sitzbezüge im Stil von blauem Denim-Stoff (Jeans-Optik) zum Einsatz, die unter der Bezeichnung „Tep Jean Bleu Sodalite“ liefen.

Technische Spezifikationen und Fahrleistungen

Unter der auffälligen Außenhaut verbarg sich solide, bewährte Massentechnik. Der Cocorico basierte technisch auf dem damaligen Basismodell, dem 2CV 6 Spécial. Das bedeutete gleichzeitig den Verzicht auf luxuriöse Extras, passte aber perfekt zum puristischen Charakter der Ente.

Merkmal Spezifikation
Motortyp Luftgekühlter Zweizylinder-Boxermotor (Viertakt)
Hubraum 602 cm³
Leistung 29 DIN-PS (21 kW) bei 5.750 U/min
Max. Drehmoment 39 Nm bei 3.500 U/min
Getriebe 4-Gang-Schaltgetriebe (vollsynchronisiert)
Leergewicht Ca. 560 kg
Höchstgeschwindigkeit Ca. 115 km/h
Fahrwerk Einzelradaufhängung mit Interaktionsfedern (legendärer Federungskomfort)

Dank des extrem geringen Leergewichts von unter 600 Kilogramm reichten die 29 Pferdestärken aus, um im städtischen Alltagsverkehr mitzuschwimmen. Der legendäre, weiche Federungskomfort sorgte für das typische, stark schankende Fahrgefühl in Kurven, das Ente-Fans bis heute lieben.

Markterfolg und heutiger Sammlerstatus

Bei der Markteinführung im Herbst 1986 belief sich der Verkaufspreis auf 36.100 Französische Franc (inklusive Mehrwertsteuer). Der Verkaufserfolg hielt sich zunächst in engen Grenzen. Vielen potenziellen Käufern war das Trikolore-Design schlicht zu auffällig oder zu patriotisch für den Alltag. Citroen benötigte bis zum März 1987, um die 1.000 produzierten Exemplare vollständig abzusetzen.

Aus heutiger Sicht erweist sich dieser damalige Misserfolg als Glücksfall für Oldtimer-Sammler. Da viele Fahrzeuge im Laufe der Jahre verschrotet, im Alltag aufgebraucht oder durch Unfälle zerstört wurden, existieren heute weltweit nur noch sehr wenige originale Exemplare des Cocorico.

Wer heute einen echten, unrestaurierten oder fachgerecht restaurierten 2CV Cocorico erwerben möchte, muss mit Preisen rechnen, die ein Vielfaches des ursprünglichen Neuwertes betragen. Das Modell hat sich fest in der Spitzengruppe der gesuchtesten Ente-Modelle etabliert – direkt neben der seltenen Allrad-Ente „Sahara“ oder frühen Modellen aus den 1950er Jahren.

Citroen 2CV Cocorico
Citroen 2CV Cocorico Sonderedition, die ursprünglich im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 entstanden ist © Citroen
Fazit: Ein zeitloses Symbol für Mut und Kreativität

Der Citroen 2CV Cocorico ist mehr als nur ein historischer Kleinwagen. Er dokumentiert eine Ära, in der Automobilhersteller den Mut besaßen, unkonventionelle Designwege abseits des Massengeschmacks zu gehen. Das Auto verbindet die französische Lebensart mit dem genialen Minimalismus der Konstruktion von André Citroen.

Vier Jahrzehnte nach seiner Premiere zeigt sich: Die Werte von damals – einfache, clevere und nahbare Mobilität – gewinnen in Zeiten des Wandels hin zur Elektromobilität wieder massiv an Bedeutung. Der Cocorico bleibt damit ein unvergessener Meilenstein auf dem Weg in die automobile Zukunft.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Citroen 2CV Cocorico

Woran erkennt man einen echten 2CV Cocorico?
Ein originaler Cocorico basiert immer auf der weißen Lackierung „Blanc Meije“ und besitzt rote hintere Kotflügel, blaue Lüftungsklappen an der Haube, Edelstahl-Radkappen der Dyane 6 sowie die typischen Denim-Sitzbezüge im Innenraum. Da viele Standard-Enten später optisch umgebaut wurden, gibt nur die originale Fahrgestellnummer in Verbindung mit den französischen Auslieferungspapieren von 1986/1987 endgültige Sicherheit.

Wie viele Exemplare wurden gebaut?
Die Produktion war streng limitiert. Es wurden exakt 1.000 Fahrzeuge gebaut, die alle für den französischen Markt bestimmt waren. Ein offizieller Export in andere Länder wie Deutschland fand ab Werk nicht statt.

Welcher Motor ist im Cocorico verbaut?
Im Cocorico arbeitet der bekannte luftgekühlte 0,6-Liter-Zweizylinder-Boxermotor (602 cm³) mit 29 PS. Es handelt sich um das Standardaggregat der späten 2CV-Baureihen, das für seine Wartungsfreundlichkeit und Langlebigkeit bekannt ist.

Gibt es originale Ersatzteile für das Sondermodell?
Während die Verschleißteile der Technik dank der großen Fangemeinde problemlos lieferbar sind, gestaltet sich die Suche nach spezifischen Cocorico-Teilen schwierig. Die originalen Aufkleber-Sätze für den Farbverlauf sowie die blauen Jeans-Sitzbezüge werden jedoch von spezialisierten Oldtimer-Teilehändlern als hochwertige Nachfertigungen angeboten.

Joerg
Hallo ich bin der Jörg. Ich bin gelernter Kfz Schlosser und früher aktiv im Motorsport unterwegs mit Interesse für Auto Neuheiten sowie generell technische Innovationen aus der digitalen und analogen Welt.