
Die Deutsche Rallye-Meisterschaft (DRM) biegt auf die Zielgerade ein. Am 30. und 31. Oktober steht mit der traditionsreichen ADAC Saarland-Pfalz Rallye der vorletzte Lauf einer hochspannenden Saison auf dem Programm. Das Herz der Veranstaltung schlägt in diesem Jahr an einem neuen Ort: Das offizielle Rallyezentrum zieht an den malerischen Bostalsee um. Auf die rund 50 gemeldeten Teams wartet eine echte Reifeprüfung über gut 155 Wertungskilometer (WP), aufgeteilt auf 14 anspruchsvolle Wertungsprüfungen. Neben den Top-Piloten der DRM sorgt ein hochkarätiges Rahmenprogramm unter anderem mit Wertungsläufen zur Saarländischen Rallye-Meisterschaft (SRM) und dem Deutschen Rallye Cup (DRC) für ein spektakuläres Motorsport-Wochenende.
Sekunden-Krimi an der Tabellenspitze: Geipel gegen Lokalmatador Griebel
Im Fokus der Öffentlichkeit steht ganz klar das packende Duell um die Meisterschaftskrone. Nach einem dramatischen Verlauf beim vergangenen Lauf in Bayern hat sich das Blatt an der Spitze der Tabelle gewendet. Philip Geipel und seine Co-Pilotin Jennifer Lerch reisen im Toyota GR Yaris Rally2 als Gesamtführende ins Saarland. Ihr Vorsprung ist jedoch hauchdünn: Nur mickrige drei Punkte trennen das Spitzenduo von ihren härtesten Verfolgern, Marijan Griebel und Ella Kremer im Skoda Fabia RS Rally2.
Spitzenreiter Geipel blickt nach seinem starken Auftritt bei der 3-Städte-Rallye selbstbewusst, aber mit gehörigem Respekt auf die kommende Aufgabe. Besonders bei nassen Bedingungen zeigte sich der 39-jährige Plauener zuletzt extrem konkurrenzfähig. Für das Wochenende im Saarland hofft Geipel daher scherzhaft auf Unterstützung von oben: Seine Fans sollten vor dem Start ruhig einen Regentanz aufführen, da nasse Streckenverhältnisse seinem Fahrstil und dem Auto entgegenkämen. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass der Kampf gegen den Lokalmatadoren Griebel auf dessen Heimstrecken eine immense Herausforderung darstellt.

Marijan Griebel brennt unterdessen auf die Revanche vor den eigenen Fans. Durch den Umzug des Rallyezentrums an den Bostalsee rückt das Event noch näher an seinen Heimatort Hahnweiler heran. Griebel setzt fest auf den Heimvorteil und die Unterstützung zahlreicher Freunde und Bekannter an den Strecken. Da die Rallye in diesem Jahr deutlich später im Kalender platziert ist, stellt der Herbst die Fahrer vor zusätzliche Hürden. Laub, Schmutz auf den Straßen und die früh einsetzende Dunkelheit bei den Abendprüfungen werden den Piloten alles abverlangen. Griebels klares Ziel bleibt dennoch der Sieg vor heimischer Kulisse. Als größte Spielverderber für die beiden Meisterschaftsfavoriten gelten Björn Satorius und Nico Otterbach, die ebenfalls im Toyota GR Yaris Rally2 auf Podestjagd gehen.
Vorentscheidungen und Aufholjagden in den DRM-Klassen
Nicht nur in der Gesamtwertung, sondern auch in den sechs weiteren DRM-Klassen geht es in der Endphase der Saison um jeden einzelnen Zähler. Bei den DRM Masters gilt die Paarung Dennis Rostek und Stefan Kopczyk (Skoda Fabia RS Rally2) als das Maß der Dinge, an dem der Weg zum Titel vorbeiführt. In der DRM3-Kategorie haben Timo und Jasmin Weigert im Renault Clio Rally3 durch eine fehlerfreie Leistung zuletzt wertvollen Boden gutgemacht und den Rückstand auf die aktuellen Tabellenführer Leonard Weiss und Nick Hainke im Ford Fiesta Rally3 verkürzt. Das erklärte Ziel der Weigerts für das Saarland ist der Klassensieg, um die Titelentscheidung bis zum Finale offen zu halten.
In der DRM Junior Wertung könnte am Bostalsee bereits eine vorzeitige Titelentscheidung fallen. Karl Otto Niebäumer und seine Schwester Anna als Co-Pilotin im Opel Corsa Rally4 reisen mit glänzenden Aussichten an. Ein weiterer Klassensieg würde dem Duo den vorzeitigen Gewinn der Junioren-Meisterschaft sichern. Auch in der übergeordneten DRM4-Wertung stehen die Chancen gut, da die direkten Konkurrenten an der Tabellenspitze – die Duos Pusch/Bößert und Nierenz/Raithel – auf einen Start verzichten. Niebäumer warnt jedoch vor der anspruchsvollen Streckencharakteristik mit schnellen Asphaltpassagen und tückischen Schotterstücken. Als größten Rivalen sieht er den lokal ansässigen Max Schumann (Renault Clio Rally4), der sich zusammen mit Beifahrerin Ann Felke nach einem starken zweiten Platz beim letzten Lauf ebenfalls berechtigte Hoffnungen auf den Heimsieg macht.
Nostalgie, Nervenkitzel und ein Wettlauf gegen die Zeit
In der DRM Classic geht das erfahrene Gespann Walter Gromöller und René Meier im legendären Opel Ascona 400 als absolute Favoriten ins Rennen. Gromöller schätzt die Strecken im Saarland, warnt jedoch vor einer extrem harten Schotterpassage, die das Material des historischen Fahrzeugs stark beansprucht. Auch er hofft auf anhaltenden Regen, da Mischwetter oft das Risiko von Fehlentscheidungen bei der Reifenwahl birgt.
Ein echtes Drama spielt sich derweil hinter den Kulissen der DRM Nationals ab. Während die Routiniers in dieser Klasse um den Gesamtsieg kämpfen, bangt der aktuelle Tabellenführer Philipp Heinmüller gemeinsam mit Co-Pilot Lukas Müller um die Teilnahme. Nach einem schweren Überschlag bei der 3-Städte-Rallye arbeitet das Team rund um die Uhr in der heimischen Werkstatt, um den beschädigten Opel Astra rechtzeitig wieder rennbereit zu machen.
Zeitplan und Highlights für Zuschauer am Bostalsee
Für die Rallye-Fans bietet das neue Zentrum am Bostalsee eine perfekte Infrastruktur. Das Event startet offiziell am Freitag ab 16:30 Uhr mit dem feierlichen Start auf der Startrampe. Direkt im Anschluss müssen die Teams die ersten sechs Wertungsprüfungen bewältigen. Ein absoluter Zuschauermagnet wird dabei die Prüfung „Ravenol Windpark I“ sein, bei der die Fahrzeuge über eine markante Kuppe spektakuläre Sprünge von bis zu 30 Metern Weite hinlegen.
Am Samstag stehen dann die verbleibenden acht Prüfungen auf dem Programm, darunter die bekannten und anspruchsvollen Rundkurse „Numborn“ und „Pfeffelbach“. Gegen 18:30 Uhr schließt das Motorsport-Highlight mit der großen Siegerehrung auf der Zielrampe am Bostalsee, wo die Gewinner aller Klassen gebührend gefeiert werden.














