Sport Erfolgsfaktoren für den I.D. R Pikes Peak – 4.000 Kilometer Testfahrten

Erfolgsfaktoren für den I.D. R Pikes Peak – 4.000 Kilometer Testfahrten

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I.D. R Pikes Peak © Volkswagen AG
I.D. R Pikes Peak © Volkswagen AG

Erfolgsfaktoren für den I.D. R Pikes Peak – 4.000 Kilometer Testfahrten

Nach exakt 7:57,148 Minuten war alles vorbei. Der I.D. R Pikes Peak durchbrach mit Romain Dumas am Steuer die Lichtschranke im Ziel des berühmtesten Bergrennens der Welt. Ein Rekordsprint über 19,99 Kilometer, dem zahlreiche Tests über insgesamt rund 4.000 Kilometer vorausgegangen waren – verteilt auf sechs Monate.

Nachdem im September 2017 der Startschuss zum Projekt I.D. R Pikes Peak gefallen war, entstand in der Entwicklungsabteilung von Volkswagen Motorsport der erste rein elektrisch angetriebene Rennwagen der Marke zunächst am Computer. Um die Zeit bis zur Fertigstellung des I.D. R Pikes Peak zu nutzen, bauten die Techniker einen Golf GTI TCR aus der Tourenwagen-Abteilung von Volkswagen Motorsport auf Elektroantrieb um. „Mit diesem Fahrzeug haben wir im Januar 2018 rund 15 Tage auf dem Volkswagen Testgelände in Ehra-Lessien Daten gesammelt. Dass wir das Gelände nutzen durften, war eine große Hilfe“, beschreibt Fabrice van Ertvelde, Projektingenieur für den I.D. R Pikes Peak bei Volkswagen Motorsport.

Volkswagen Entwicklungsfahrer Dieter Depping spulte am Steuer des Elektro-Rennwagens in Ehra-Lessien Kilometer um Kilometer ab. „Dabei ging es um Grundlagenforschung“, erläutert van Ertvelde. „Der Elektroantrieb war für Volkswagen Motorsport ein neues Betätigungsfeld. Wir mussten verstehen, wie die einzelnen Komponenten in einem Rennfahrzeug zusammenwirken und welche Konfiguration optimal sein würde.“

Rollout im Anschluss an die Weltpremiere
Einen Meilenstein passierte Volkswagen Motorsport am 22. April 2018 – der I.D. R Pikes Peak wurde auf der Rennstrecke am Rande der südfranzösischen Stadt Alès offiziell präsentiert. „Nach dem Rollout haben wir dort vier Tage lang getestet“, rekapituliert van Ertvelde. Dabei ging es den Ingenieuren vor allem darum, unterschiedliche Abstimmungen von Fahrwerk und Aerodynamik auszuprobieren. Denn Alès ist die Hausstrecke von Romain Dumas. Dort hatte sich der 40-Jährige auch vor seinen drei bis dato errungenen Siegen am Pikes Peak vorbereitet. „So konnten wir die mit dem I.D. R Pikes Peak ermittelten Werte sehr gut mit Romains Daten vergleichen“, sagt van Ertvelde.
In der folgenden Phase waren die Motorsportler erneut häufig auf dem Volkswagen Prüfgelände in Ehra-Lessien zu Gast. Weil Dumas’ Terminkalender mit Renneinsätzen dicht gefüllt war, übernahm Depping einen großen Teil der Testarbeit. Auch als das Team Mitte Mai am Pikes Peak International Raceway südlich von Colorado Springs seine temporäre Basis bezog, saß vor allem der ehemalige Rallyeprofi im Cockpit des I.D. R Pikes Peak. Rund zwei Monate lang war die typisch amerikanische Rennstrecke mit großem Oval für eine rund 30 Personen starke Abordnung von Volkswagen Motorsport eine zweite Heimat. „Die Mannschaft hat in dieser Phase extrem konzentriert gearbeitet, jeder Einzelne hat unglaublich viel Motivation und Leistungsbereitschaft gezeigt. Das war beeindruckend“, blickt van Ertvelde zurück.

Pikes Peak Testfahrzeug, elektrischer Golf © Volkswagen AG
Pikes Peak Testfahrzeug, elektrischer Golf © Volkswagen AG

Volkswagen Pilot Dumas fährt erst im Rennen die gesamte Strecke
Zum ersten Mal auf der Originalrennstrecke am Pikes Peak konnte das Team erst Ende Mai testen, weniger als vier Wochen vor dem Rennen. Weil die öffentliche Straße auf den 4.302 Meter hohen Gipfel eigentlich Touristen vorbehalten ist, stand die Piste Volkswagen Motorsport und einigen anderen Rennteams nur an drei Tagen jeweils vor Geschäftsbeginn zur Verfügung. „Wir konnten nur zwischen 05:30 und 08:30 Uhr testen“, blickt van Ertvelde zurück.
Auch bei diesen Testfahrten teilten sich Depping und Dumas die Arbeit im Cockpit des I.D. R Pikes Peak. Doch gerade als Dumas an der Reihe war, verschlechterte sich das Wetter am Berg so sehr, dass er nur noch auf dem niedrig gelegenen Teil der Strecke unterhalb der Baumgrenze fahren konnte. „Dies führte dazu, dass Romain die Strecke vor dem Rennen nicht ein einziges Mal komplett im I.D. R Pikes Peak gefahren ist“, sagt Projektleiter van Ertvelde. Immerhin konnte Dumas auf seine Erfahrung aus sechs vorangegangenen Starts bauen – und die 19,99 Kilometer unzählige Male im Simulator bei Volkswagen Motorsport absolvieren.

Wie gut die Mannschaft von Volkswagen Motorsport mit den erschwerten Bedingungen während der Entwicklungs- und Testphase zurechtkam, zeigte die 96. Auflage des Pikes Peak International Hill Climb am 24. Juni 2018 – Romain Dumas verbesserte den bestehenden Streckenrekord um mehr als 16 Sekunden und blieb in 7:57,148 Minuten als erster Fahrer in der Geschichte des berühmtesten Bergrennens der Welt unter der Acht-Minuten-Marke.