
Ein geschichtsträchtiger Erfolg im Langstreckenmotorsport jährt sich zum ersten kleinen Jubiläum: Exakt 100 Tage sind vergangen, seit das Mercedes-AMG Team RAVENOL am 17. Mai 2026 den Gesamtsieg beim ADAC RAVENOL 24h Nürburgring einfahren konnte. Zehn Jahre nach dem letzten Triumph der Performance- und Sportwagenmarke aus Affalterbach haben sich die Fahrer Maro Engel, Maxime Martin, Fabian Schiller und Luca Stolz mit einer spektakulären Aufholjagd in die Geschichtsbücher eingetragen.
Nach 156 Runden auf der legendären Nordschleife überquerte der Mercedes-AMG GT3 mit der Startnummer 80 die Ziellinie. Dem Triumph des Einsatzteams Winward Racing ging eine dramatische Vorbereitung und eine beispiellose fahrerische Leistung voraus. Drei Monate nach dem emotionalen Wochenende ordnen die vier Piloten die entscheidenden Momente ein und geben exklusive Einblicke in die Erfolgsfaktoren hinter den Kulissen.
Die emotionalsten Momente des Rennwochenendes
Der Moment des Triumphs löste an der Boxenmauer des Nürburgrings ausgelassenen Jubel und Tränen der Erleichterung aus. Für die Fahrer stehen unterschiedliche Schlüsselszenen im Vordergrund, die sie für immer festhalten möchten.
- Tränen der Erleichterung: Für Maro Engel bleibt die Zieldurchfahrt der prägendste Moment. Zu sehen, wie viel dieser Erfolg dem gesamten Team und den Partnern wie RAVENOL bedeutet, habe tiefe Emotionen freigesetzt. Besonders bei den Teammitgliedern, die zum ersten Mal ganz oben auf dem Treppchen standen, seien Freudentränen gekullert.
- Die Aufholjagd aus dem Mittelfeld: Maxime Martin erinnert sich neben dem Feiern auf dem Autodach vor allem an die Startphase. Das Quartett musste das Rennen nach Rückschlägen im Qualifying von Platz 25 aus in Angriff nehmen. Die ersten fünf bis sechs Rennstunden, in denen sich das Fahrzeug kontinuierlich durch das dicht besetzte Feld nach vorne arbeitete, blieben ihm besonders im Gedächtnis.
- Der Formationsflug im Finale: Fabian Schiller hebt die letzte Rennrunde hervor. Das Bild, wie die beiden führenden Mercedes-AMG GT3 im Parallelflug über die Nordschleife fuhren – abgesichert durch ein komfortables Polster nach hinten –, stehe für die Dominanz der Marke an diesem Wochenende.
- Der Blick vom Kommandostand: Luca Stolz sieht beim Schließen der Augen sofort seinen Teamkollegen Fabian Schiller, der nach 24 Stunden emotional auf dem Dach des Kommandostands in der Boxengasse jubelte.
Strategische Meilensteine und der Schlüssel zum Sieg
Ein 24-Stunden-Rennen auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt wird selten allein durch pure Geschwindigkeit entschieden. Das Team spürte zu unterschiedlichen Zeitpunkten, dass der Gesamtsieg in greifbare Nähe gerückt war.
Reifenentscheidungen im Eifelregen
Maro Engel macht den Wendepunkt an den einsetzenden Wetterkapriolen fest. Als der typische Eifelregen einsetzte, traf die Boxencrew fehlerfreie Reifenentscheidungen. Dadurch konnte sich die Startnummer 80 frühzeitig vom restlichen Feld absetzen und die Führung strategisch verwalten.
Das Duell mit Verstappen Racing
Ein weiterer entscheidender Faktor war der teaminterne Wettkampf. Laut Maxime Martin kristallisierte sich der Sieg heraus, als man sich ein direktes Duell um die Spitzenposition mit dem hochkarätig besetzten Schwesterauto vom Mercedes-AMG Team Verstappen Racing lieferte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Führungsduo bereits einen uneinholbaren Vorsprung auf die Konkurrenz erarbeitet.
Akribische Vorbereitung seit 2025
Luca Stolz betont, dass das Fundament für den Erfolg bereits ein Jahr zuvor gelegt wurde. Direkt nach dem enttäuschenden Abschneiden beim Rennen 2025 begannen die Verantwortlichen in Affalterbach mit den Vorbereitungen für 2026. Maßgebliche strategische Weichenstellungen in den Bereichen Aerodynamik, Setup-Philosophie, Reifenstrategie und ein optimiertes Lichtkonzept sorgten bereits in der Rennwoche für ein extrem hohes Grundvertrauen bei den Fahrern.

Die „stillen Helden“ im Hintergrund
Motorsport ist ein Mannschaftssport. Der Sieg am Nürburgring hing an seidenen Fäden, nachdem Maro Engel das Fahrzeug im Qualifying am Freitag bei einem heftigen Unfall beschädigt hatte.
Fabian Schiller und Luca Stolz loben unisono die herausragende Leistung der Mechanikercrew. In einer dramatischen Nachtschicht von Freitag auf Samstag bauten die Techniker den zerstörten Mercedes-AMG GT3 nicht nur komplett wieder auf, sondern stellten den Fahrern ein perfekt abgestimmtes Siegerauto an den Start.
Maro Engel hebt dabei den Mechaniker Phuc hervor, der am Schweißgerät absolute Perfektion bewies. Zudem widmete das Team den geschichtsträchtigen Triumph einem engen Teammitglied, das aufgrund einer schweren Erkrankung das Rennwochenende nicht vor Ort miterleben konnte.

Persönliche Lehren: Träume nicht aufgeben
Der Erfolg in der „Grünen Hölle“ hat bei den Piloten auch abseits der Rennstrecke tiefe Eindrücke hinterlassen.
| Fahrer | Persönliches Fazit und langfristige Erkenntnis |
| Maro Engel | Kontinuierliche Optimierung aller beeinflussbaren Faktoren führt unweigerlich zum Erfolg. Der GT-Sport hat durch die Teilnahme internationaler Stars wie Max Verstappen weltweit enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. |
| Maxime Martin | Nach insgesamt 15 Anläufen hat es endlich mit dem Gesamtsieg geklappt. Das zeigt, dass man im Leben seine Träume niemals vorzeitig aufgeben darf. |
| Fabian Schiller | Harte und kontinuierliche Arbeit zahlt sich aus. Auch wenn die Zielerreichung manchmal länger dauert als erhofft, führt Ausdauer am Ende zum Erfolg. |
| Luca Stolz | Bei seinem zehnten Einsatz im Mercedes-AMG GT3 und nach zuvor drei Podestplätzen durfte er endlich den Siegerpokal in den Händen halten – eine Bestätigung, niemals nachzulassen. |
Was die Öffentlichkeit nicht sah: Die Setup-Revolution
Der Schlüssel zum Erfolg lag laut den Fahrern in einer radikalen und kompromisslosen Technikumstellung im Vorfeld, die für die Zuschauer unsichtbar blieb. Zusammen mit Winward Racing wurde die Setup-Philosophie des GT3-Modells grundlegend verändert.
Das Team kehrte zu früheren aerodynamischen Ansätzen zurück, legte den Fokus extrem auf maximalen Anpressdruck (Downforce) und positionierte das Fahrzeug innerhalb des aerodynamischen Fensters völlig neu. Vom ersten Testlauf bis zur finalen Zieldurchfahrt wurden bei dieser Strategie keinerlei Kompromisse eingegangen. Gepaart mit perfekten taktischen Entscheidungen am Kommandofunk hob sich das Team schlussendlich entscheidend von der Konkurrenz ab.
Der historische Eifel-Sieg des Mercedes-AMG Teams RAVENOL geht damit als Lehrstück für strategische Akribie, fahrerische Klasse und unbändigen Teamgeist in die Geschichte des 24h-Rennens ein.



















